Remo Buess Remo Buess

#training day

Wie fotografiert man etwas, das man zuerst kaum versteht? Ich begleite Angelica Moser seit über einem Jahr beim Training und lerne dabei mindestens so viel wie sie schwitzt... #trainingday ist ein Einblick in diesen Prozess und eine kleine Einladung, selbst mal eine Langzeitreportage zu starten.

Vor gut einem Jahr habe ich der Stabhochspringerin Angelica Moser eine Nachricht geschrieben, ob ich sie bei ein paar trainigs mit meiner Kamera begleiten darf. Dazu den Link zu meiner Website.

Kennengelernt hatte ich sie bei einer Story für Ringier und Opel. Wir trafen uns am Ende der Welt. Nicht geografisch, sondern in Magglingen, in einer Turnhalle, die sich tatsächlich so nennt. Ende der Welt. Ein Name, der entweder sehr poetisch ist oder einfach von jemandem kommt, der schon oft genug dort hochgefahren ist.

Ich muss zugeben, trotz meiner Begeisterung für Sport verstand ich am Anfang nicht viel vom Stabhochsprung. Also eher wenig... Ich musste mich mit der Kamera langsam herantasten.

  • Wo sind die guten Winkel?

  • Wie läuft der Anlauf wirklich ab und wie schnell ist “schnell”? Es war sehr schnell!

  • Wo genau passiert der Absprung, und wie knapp darf man daneben stehen, ohne zum Hindernis zu werden?

  • Was macht der Stab, was macht der Körper und was mache ich in dieser Sekunde?

Am Anfang habe ich die klassischen Bilder gemacht. Ich wollte “safe” sein. Verständlich: Wenn du etwas noch nicht verstehst, greifst du automatisch zu dem, was funktioniert. Saubere Perspektive. Gute Pose. Bildaufbau. Fertig. Das war auch okay. Aber irgendwann war dieser Punkt da, an dem ich gemerkt habe: Ich will die Geschichte anders erzählen… Etwas neues ausprobieren.

Also habe ich begonnen, bewusst anders zu fotografieren. Ich suchte in der Halle andere Winkel und Positionen, änderte den Bildausschnitt, oder verwendete, wie in den Bildern zu sehen, einen Blitz und Bewegungsunschärfe. Nicht jede Idee war ein Treffer. (Ueberraschung.) Aber jede Idee war eine Erfahrung, die ich mitnehme. Und genau das ist der Punkt, den ich mitgeben will:

Eine Langzeitreportage ist wie ein Geschenk an dich selbst – wenn du sie ernst nimmst.

Du bekommst Einblicke in eine Welt, die dir sonst verborgen bleibt. Du lernst Menschen kennen, die du ohne dieses Projekt nie treffen würdest. Je mehr Zeit vergeht, desto weniger geht es um “das eine Bild”. Es geht um Entwicklung. Um Vertrauen. Darum, dass du nicht jedes Mal neu anfangen musst. Du hast Zeit, neues auszuprobieren, dich weiter zu entwickeln. Und vielleicht ist das die eigentliche Motivation hinter #trainingday:

Wenn du also mit dem Gedanken spielst, eine Langzeitreportage zu starten: Mach es! Wirklich. Nimm irgendetwas, das dich interessiert, oder etwas, das du nicht verstehst, aber verstehen willst. Und dann bleib dran. Lange genug, bis du aufhörst, nur sichere Bilder zu machen. Probiere aus, scheitere, mach weiter!

Die guten Bilder kommen.

Danke, Angelica, dass ich dich begleiten darf.

  • About a year ago, I wrote a message to pole vaulter Angelica Moser asking whether I could accompany her with my camera during a few training sessions. Along with it, the link to my website.

    I had met her during a story for Ringier and Opel. We met at the end of the world. Not geographically, but in Magglingen, in a sports hall that is actually called that. End of the world. A name that is either very poetic or simply comes from someone who has driven up there often enough.

    I have to admit: despite my enthusiasm for sport, at the beginning I didn’t understand much about pole vaulting. So rather little… I had to slowly feel my way in with the camera.

    Where are the good angles?

    How does the run-up really work, and how fast is “fast”? It was very fast!

    Where exactly does the take-off happen, and how close can you stand without becoming an obstacle?

    What does the pole do, what does the body do, and what am I doing in this second?

    At the beginning, I took the classic pictures. I wanted to be “safe.” Understandable: when you don’t yet fully understand something, you automatically go for what works. Clean perspective. Good pose. Composition. Done. That was okay too. But at some point I reached the moment when I realised: I want to tell the story differently… try something new.

    So I started photographing differently on purpose. I looked for other angles and positions in the hall, changed the framing, or used—as you can see in the pictures—a flash and motion blur. Not every idea was a hit. (Surprise.) But every idea was an experience I take with me. And that’s exactly the point I want to pass on:

    A long-term photo story is like a gift to yourself—if you take it seriously.

    You get insights into a world that would otherwise remain hidden from you. You get to know people you would never meet without this project. The more time passes, the less it’s about “that one picture.” It’s about development. About trust. About not having to start from scratch every time. You have time to try new things, to develop further. And maybe that’s the real motivation behind #trainingday:

    So if you’re thinking about starting a long-term photo story: do it! Really. Choose something that interests you, or something you don’t understand but want to understand. And then stick with it. Long enough until you stop making only safe pictures. Try things, fail, keep going!

    The good pictures will come.

    Thank you, Angelica, for letting me accompany you.

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